Damals in Schottland

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3-in-1-Hirtenhund

Im 20. Jahrhundert

Die Bewahrer des echten, standardgemäßen Bearded Collies

 

 

 

Die genaue Herkunft des Bearded Collies ist ungeklärt.

Vermutlich hatten Bobtail, Bearded Collie und Border Collie

dieselben Ahnen:

Arbeitshunde, bei denen es nicht auf einheitliches Aussehen ankam,

sondern auf Arbeitstauglichkeit,

also Wetterfestigkeit, Gesundheit, Wesensstärke und Intelligenz.

 

 

Unter den Nachkommen der schottischen Hunde

ist der Bearded Collie der einzige,

der bei der Arbeit alle drei Dinge beherrscht,

die von Herdengebrauchshunden verlangt werden:

 

 

1. Hüten

2. Treiben

3. Bewachen/Schützen

 

Alle drei Eigenschaften in einem Herdengebrauchshund vereint,

das ist sehr selten.

Berner Sennenhund und Rottweiler können es auch –

wer sonst noch?

Der „kleine Bruder“ Border Collie wacht und beschützt nicht,

er hütet nur.

der „große Bruder“ Bobtail ist beim Hüten nicht so talentiert,

er ist eher ein Wächter und Treiber.

 

Schafe werden getrieben,
Beardie schaut zu

„Und das alles ohne mich!“,

denkt sich wohl dieser Beardie beim Anblick der vorbeigetriebenen Schafe.

Instinktiv weiß er: Mit Schafen, da war doch was ...

 

Bei der Arbeit an der Herde ist ein vernünftig gezüchteter Bearded Collie intelligent und selbstständig genug, um Entscheidungen treffen zu können. Ein verlässlicher Helfer also, dem man früher getrost die alleinige Verantwortung für die Herde übertrug und den man sogar vom Viehmarkt in London allein nach Schottland zurückschickte.

 

Schweine hüten

Schweine, Pferde, Schafe, Kühe usw. – dabei blüht diese Hündin auf.

Manche Beardies sehen mangels Vieh

ihre Aufgabe im „Hüten“ (Verfolgen, Umkreisen) von Autos.

Das kann sehr gefährlich werden.

 

 

Aus einer Mail:

Ich bin mit meinem jungen Beardie an der langen Spurleine hinter den Kühen Richtung Stall gegangen. Mensch, war der voll bei der Sache! Hat die Kühe ohne Panikmache heimgebracht. Eine widerspenstige Kuhdame wollte sich noch umdrehen und mit Kopf unten dem Hund drohen, der hat ihr denn schön gesagt, wo’s langgeht. Ist traumhaft, so einen Arbeitskollegen zu haben!

 

Echte, standardgemäße Beardies vom alten Typ

sind auch heute noch arbeitstauglich.

Arbeitstauglichkeit ist – nach Aussage der Genetiker – ein wichtiges Kriterium

für einen gesunden, wesensstarken Hund.

 

 

 

Früher unterschied man bei den Bearded Collies:

Hochland-Typ: braun oder fawn

Tiefland- oder Border-Typ: schwarz oder „blau“ (grau)

Sie vermischten sich.

Heute können alle 4 Farbvarianten in einem Wurf zur Welt kommen:

 

Schwarz, meist mit glattem Haar

Blau (ein verdünntes Schwarz)

Braun, manchmal noch mit welligem Haar

Fawn (ein verdünntes Braun)

 

 

 

Durch die beiden Weltkriege starb die Rasse fast aus. Die kleineren Border Collies waren leichter durchzufüttern. Arbeit als Herdenschützer, die der Border Collie nicht ausführen kann, war kaum noch nötig, weil es keine abzuwehrenden Raubtiere, etwa Wölfe, mehr gab.

 

die Stammeltern aller heutigen Beardies

Jeannie und Bailie of Bothkennar

mit dem ersten Wurf

1950

 

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

In den 1940er Jahren schickte man der englischen Züchterin Mrs. G. O. Willison einen Welpen, der sich als Bearded Collie entpuppte. Diese braune Hündin wurde als Jeannie of Bothkennar registriert.

Mit ihr als Stammhündin und dem zufällig beim Strandspaziergang in Hove (Nähe Brighton) gefundenen Rüden Bailie verhalf Mrs. Willison der Rasse durch unermüdlichen Einsatz zu einem Comeback – hauptsächlich als Familienhund. Sie suchte immer wieder bei den britischen Schäfern nach den seltenen Hunden vom Typ Bearded Collie, ließ sie registrieren und achtete sehr sorgfältig auf eine gute Wahl der Zuchtpartner, um es durch zu enge Verpaarungen möglichst nicht zu gesundheitlichen Problemen kommen zu lassen.

In der Anfangszeit kamen im selben Wurf unterschiedliche Welpen zur Welt: Einige sahen wie Bearded Collies aus, andere wie Border Collies. Man unterschied sie an der Ohrform.

 

 

Punkt

 

Hinsehen!

 

 

Die Rassebegründerin Mrs. Willison

brachte ihre Hunde

zur standardgerechten  Perfektion.

Schon in ihrem Buch,

das Anfang der 1970er Jahre gedruckt wurde,

wies sie darauf hin,

dass ihr das immer länger werdende Fell nicht gefiel.

 

 

... mehr über die Abstammung

 

aus dem Buch

„Hunde erkennen und bestimmen“

So sehen Beardies heute nur noch selten aus.

 

Die überzüchteten („modernen“) Bearded Collies

Wer den Rassestandard gelesen oder die Abbildung eines standardgerechten Bearded Collies gesehen hat, würde in den meisten der heutigen Hunde dieser Rasse keinen Beardie mehr erkennen.

In vielen Punkten weichen die übertypisierten Bearded Collies – die angebliche Elite der Rasse - vom Standard ab, auf den ersten Blick vor allem vom Fell her.

Heute sind die meisten Beardies überlang und sehr üppig behaart. Man kann durchaus von Qualzucht sprechen, die Hunde leiden unter den Fellmassen.

Wesensmängel (Ängstlichkeit, teilweise sogar Aggressivität)

haben sich ebenso eingeschlichen wie

massive Gesundheitsprobleme und

Intelligenzverlust.

 

... mehr über die Probleme der Schönheitszucht.

 

 

 

In Europa gibt es nur noch sehr wenige ursprünglich gebliebene Beardies –

Hunde, die hüten können und

in deren Ahnentafeln keine „Show-Beardies“ vorkommen.

Manche Züchter zeigen ihre Hunde im Internet mit Schafen, doch:

Dass ein Hund ein wenig hüten kann,

sagt nichts über eine gute Abstammung aus –

erst recht nicht, wenn er mit viel zu viel Fell keine gute Figur macht.

… mehr

 

In Großbritannien

werden Beardies noch vereinzelt als Hütehunde eingesetzt,

teilweise ohne Ahnentafel des Kennel Clubs und mit einem Aussehen,

das manchmal ein wenig in Richtung Border Collie geht.

In Wales bemüht sich eine langjährige Züchterin,

die die Rassebegründerin Mrs. Willison noch gekannt hat,

den echten Bearded Collie durch Einkreuzen von Arbeitshunden zu erhalten.

Diese Hunde haben in der Anfangszeit noch keine Papiere des Kennel Clubs,

sie sind aber in der Working Bearded Collie Society registriert,

so dass ihre Ahnen dokumentiert sind.

Der Kennel Club soll einer Registrierung dieser „Outcross“-Beardies

aufgeschlossen gegenüberstehen,

die britischen Züchter allerdings weniger – wie nicht anders zu erwarten.

„Wenn es ein Merle ist, ist es kein Bearded Collie“,

meint eine britische Züchtervereinigung.

Diese Zuchthunde wurden umfangreichen Gesundheitstests unterzogen;

leider wird jedoch von dieser Züchterin das Merle-Gen toleriert.

In Deutschland und Frankreich darf mit diesen Hunden,

die auf Arbeitsbeardies zurückgehen, offiziell gezüchtet werden.

Mehr über die Zucht in Wales und das Outcross-Projekt: Brambledale

sowie:

„Kampagne für den echten Beardie“ – Download mit Adobe Reader

(dieser Artikel stammt schon aus dem Jahr 1997!)

und

Zwei Reisen nach Wales zu Dr. Lynne Sharpe/„Brambledale“

(incl. mehr über die Merle-Problematik)

 

„Hallo, Schaf!“

 

In Amerika

trifft man häufiger als in Europa Bearded Collies,

die auf Arbeitstauglichkeit geprüft wurden.

Wir haben jedoch auch Bilder aus den USA gesehen, die das „Hüten“ in einem winzigen Drahtpferch zeigten. Das hatte wenig mit Hütearbeit zu tun, die Schafe wurden nur von einer Ecke in die andere geschickt.

 

... mehr über Arbeitsbeardies.

 

 

Aus einer Mail:

Letztens sind wir an einer Schafsweide vorbei. Da war ein Schaf ausgebüchst und mein Beardie hat es hütemässig reingetrieben. Erst hat er sich so körperlich in Stellung gebracht - so wie Border Collies das tun -, dann scharf fixiert und dann bellend reingetrieben. Als es unter dem Zaun durch war, saß er da wie Grossmeister Lempe und war ganz ruhig und ganz stolz. Ich natürlich auch!!!!!

Als wir die Woche auf dem Bauernhof bei einer Freundin waren, waren da die Hühner ausgebüchst und da hat mein Beardie nur da gestanden und sie fixiert und sie sind an ihm vorbei zurück auf den Hof. War auch toll - gelle-.

 

Ja, so sollte ein Beardie reagieren.

Leider ging bei der Schönheitszucht der Hütetrieb teilweise verloren.

Die wenigsten Beardies wissen heutzutage noch

etwas mit Schafen anzufangen.

Manch einer hat sogar Angst vor ihnen.

 

 

 

In Deutschland

haben sich einige Liebhaber der Rasse das Ziel gesetzt, den echten,

standardgemäßen Bearded Collie („alter Typ“) zu erhalten:

wesensfest

gesund, robust

clever

mit nur mittellangem, harschem Fell.

Also als pflegeleichten, unproblematischen Familienhund. Man muss solche Züchter suchen wie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen. Doch auch mit bester Motivation ist es für sie kaum noch möglich, für ihre Hündinnen Zuchtpartner ohne Modelinien in der Ahnentafel zu finden.

 

Nachdem Mrs. Willison diese wundervolle Rasse mit so viel Mühe vor dem Untergang bewahrt hatte, war es Ende der 1990er Jahre noch einmal höchste Zeit, den Beardies Hilfestellung zu geben, damit sie in der guten alten Form überleben können und nicht durch kurzsichtig handelnde Züchter völlig verdorben werden.

Deshalb schrieb eine Liebhaberin der Rasse, Liesel Baumgart, 1999 das Buch „Bearded Collie – Sanfter Zottel mit Herz und Köpfchen“. Das inzwischen ausverkaufte Buch war ein Plädoyer für den „alten Typ“, den standardgerechten Bearded Collie. Es sollte die Welpeninteressenten aufklären und die Züchter zum Nachdenken anregen.

Im Jahr 2003 wurde unter der Schirmherrschaft der Autorin eine Interessengemeinschaft zum Erhalt des echten Bearded Collies gegründet und eine aufklärende Website ins Netz gestellt. Die meisten Züchter und Zuchtrichter blieben jedoch uneinsichtig – und die Welpenkäufer zu wenig standhaft, um die Zuchtrichtung maßgeblich zu beeinflussen.

Inzwischen suchen auch einige Modezüchter händeringend nach gutem „Zuchtmaterial“ und/oder beklagen, dass es „plötzlich nichts mehr gibt“ …

 

 

mehr lesen

Das Wesen des Bearded Collies